Engagement einfordern... !?

Letzte Woche stolperte ich über einen Artikel in der Dürener Zeitung über den Besuch des DFB Präsidenten Herrn Grindel, der sich den Problemen der Basis stellen wollte. Implizit fordert Herr Grindel von mir als Verantwortlicher einer Jugendfußballabteilung ein qualitativ anspruchsvolles Trainings- und Betreuungsangebot, die Bewältigung der Integrationsaufgabe sowie die Übernahme übergreifender Aufgaben z.B. im Schiedsrichterwesen. Erstmal fühlte ich mich ein wenig überfordert, doch dann beschlich mich das dumpfe Gefühl, dass Herr Grindel sich mittlerweile doch meilenweit von der Basis entfernt hat.

Ich habe dann mich entschlossen einfach mal in loser Folge über die Probleme und Herausforderungen des Jugendfußballs zu schreiben. Objektiv, manchmal sicherlich auch subjektiv, manchmal selbst erlebt, manchmal einfach nur beobachet. Ich werde sicherlich ein Problem nicht umfassend analysieren, sondern nur einige ausgewählte Punkte ansprechen. Ich will den geneigten Leser auch nicht über Gebühr beanspruchen.
 
Fundament einer attraktiven Jugendarbeit und Voraussetzung für die Übernahme der Aufgaben, die Herr Grindel ansprach, ist die Verfügbarkeit von ausreichend qualifiziertem Personal für Training und Betreuung der Kinder und Jugendlichen. Gerne würde ich in jeder Altersgruppe lizenzierte Trainer anbieten, deren Schwerpunkt die altersgerechte Ausbildung und nicht der persönliche Erfolg zur Stärkung des eigenen Egos ist. Einhergehend sollte dann mit dem Wechsel in eine andere Altersgruppe auch ein Wechsel des Trainers stattfinden. 
 
So weit, so gut. Meine bunt schillernde Seifenblase!
Ich bin schon froh, wenn bei uns Elternteile das Training übernehmen und gutes und qualifiziertes Kindertraining durchführen. Dann ist dies schon das goldene Los. Leider hat dieses Trainermodell seine Grenzen. Eltern verschwinden bei einem Vereinswechsel ihrer Kinder ebenso schnell, wie sie die Aufgaben bereitwillig im Verein übernommen haben. 
Mit Zunehmen der taktischen Elemente geben viele Elterntrainer dann spätestens beim Übergang zum großen Spielfeld achselzuckend zu, dass sie mit ihrem Fußballlatein am Ende sind. Nicht bewusst, dass man dann bereits die goldenen Lernjahre verschenkt hat.
Beides hat die Folge, der Jugendleiter befindet sich wieder auf Trainersuche!
Die Selbsterhaltung eines Vereins, die vielleicht noch im ländlichen Bereich funktioniert, ist aus meiner Sicht bereits empfindlich gestört. Vereinsverbundene Seniorenspieler, davon soll es vor geraumer Zeit doch eine nicht zu vernachlässigende Zahl gegeben haben, übernahmen wie selbstversändlich Aufgaben in ihrem Verein. Heute beschränkt sich die Verbundenheit zum Verein auf den dort möglichen persönlichen Erfolg verbunden mit der entsprechenden finanziellen Vergütung.
Sollte sich dennoch jemand entscheiden, ein Traineramt zu übernehmen, von einer Aufgabe in der Vereinsverwaltung möchte ich schon gar nicht sprechen, sind die Angebote von Seniorenmannschaften oder professionellen Fußballschulen finanziell lukrativer. Bereits in den unteren Senioren-Klassen werden lizenzierte Trainer ausreichend bezahlt. Zusätzliche lästige Aufgaben, die meist bei Jugendmannschaften anfallen, wie Trikotwäsche, Spielberichte erstellen und Mannschaftsbetreuung, entfallen. 
Aufgrund des sehr beschränkten Budgets einer Jugendabteilung erübrigt es sich hier in den Wettbewerb zu treten. Kleine finanzielle Anerkennungen in Form einer Aufwandsentschädigung oder die Übernahme der Kosten für eine Qualifizierungsmaßnahme sprengen meist schon die Jugendkasse. Das Ehrenamt oder die Gemeinnützigkeit zieht hier schon lange nicht mehr.
Und somit schließt sich der Kreis zu Herrn Grindel. Er fordert das Engagement aller Beteiligten, nicht nur bei der Finanzierung der überhöhten Spielergehälter in den Amateurligen, sondern insbesondere beim Aufbau ausgewogener Vereinsstrukturen, befähigt für mehr als nur den leistungsbezogenen Fußball. 

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